Donnerstag, 27. Dezember 2012

Namaste -vom Wesen der Begegnung & Wuerdigung

नमस्ते
Ob in Yogaklassen, in Esoterikforen oder in Reiseführern über Indien. Immer wieder begegnet uns der Ausdruck "Namaste". Er bedeutet übersetzt in ungefähr: „Du und ich, wir sind eins. Ich grüße, ehre und verehre den Gott in dir.“ oder auch „Ich beuge mich vor dem Göttlichen in dir.“
Mich erinnert diese Form des Grußes an ein Thema, dass ich dieses Jahr im Rahmen einer beruflichen Fortbildung betrachten durfte. Es ging um die Würdigung eines anderen Menschen innerhalb der Begegnung mit ihm.
Puh, Würdigung, was heißt das überhaupt? Welche Bedeutung hat dieses Wort für mich?
Schlägt man im Duden nach, so liest man von "Anerkennung, Lob, Laudatio, Beifall" und anderen eherbietenden Begrifflichkeiften. Doch Würde steht für die Fähigkeit der freien Entscheidung, für eine einzigartige Seinsbestimmung. Der Mensch ist nicht Mittel zum Zweck sondern Zweck an sich. 
Wie kann ich nun einem Menschen würdevoll gegenübertreten, welchen Sinn soll das eigentlich haben und gibt es Unterschiede wann Würdigung angebracht ist und wann nicht?
Kommen wir zurück zum "Namaste". Diesem Gruß liegt die Annahme zu Grunde, dass Gott in jedem Menschen ist. Das Göttliche ist in mir, in dir, es war in Jesus und Buddha genau so wie in einem Bettler. Mit dieser Vorstellung, sollte sie nicht grundlegend befremdlich sein, kann man ja noch ganz gut leben. Daraus aber den unumgehbaren Schluss zu ziehen das Gott auch in Hitler, Mussolini und allen anderen plakativ gesagt bösen Menschen war und ist... hui, dass ist harte Kost!
Doch genau hier an diesem Punkt setzt die für mich praktikable Seite der Würdigung an, bei der Umsetzung durch die Vorstellung das es in jedem Menschen diesen göttlichen Teil gibt. Eine Seele, ein göttliches Ich, eine Art höheres Selbst. Dieses höhere Selbst ist nicht von Gott getrennt, es ist weder gut noch böse, es ist rein, ohne Sünde, ohne Schuld, einfach göttlicher Natur. In diesem höheren Selbst steckt all unser Potential, eine schier unüberschaubare Anzahl von Fähigkeiten und Möglichkeiten die wir in unserem Leben entwickeln und nutzen können. Egal was ein Mensch in seinem Leben bisher getan und geleistet, oder eben auch nicht geleistet hat. In ihm ist dieser reine Kern, dieses leuchtende Wesen voller Potential. Vielleicht hat er dieses bisher kaum genutzt, hat keinen Zugang dazu gefunden, betäubt sich lieber mit Alkohol und Drogen, verwickelt sich in gewaltsame Beziehungen, lebt Hass und Gewalt. Aber in ihm existiert dieses Potential. Das was dieser Mensch nach außen lebt, ist das Ergebnis seiner Biografie, der Erziehung die er genossen hat, den Schicksalsschlägen die er erlebt hat, Erlebnissen die ihn heimgesucht haben, Entscheidungen die er getroffen hat. 
Ich erinnere mich an einen Artikel in einem Namenhaften deutschen Magazin den ich vor einigen Jahren während einer Nachtschicht gelesen habe. Es ging um den Dalai Lama und den augenscheinlichen Skandal, dass dieser spirituelle und weise Mensch sich doch tatsächlich auch mit Personen abgibt, die doch wirklich, wirklich böse sind! Wie kann der Dalai Lama ein religiöser Führer sein und dann Menschen treffen die als Verbrecher, Mörder, Unterdrücker und schlimmeres bekannt sind? Damals habe ich geschluckt, doch irgendwann erschien mir dieser Vorwurf unbedacht. Wer, wenn nicht eine Person wie der Dalai Lama, sollte in der Lage sein jedem Menschen würdevoll gegenüber zu treten und das Göttliche in ihm anzuerkennen, ungeachtet der äußeren Umstände und der Taten in seinem Leben?
Wenn ich einem Menschen begegnen kann und fähig bin, in dieser Begegnung, unabhängig aller Umstände und Taten meines Gegenübers, dieses Potential anzuerkennen, dann geschieht Würdigung. Dann vollziehe ich das, was gemeint ist, wenn ich jemandem mit einem "Namaste" gegenübertrete. 
Die hohe Kunst ist es ja gerade jemandem mit diesem Namaste gegenüber zu treten, den wir nicht unbedingt sympathisch finden. Oder sogar jemandem demgegenüber wir eine starke Abneigung verspüren.
Die Würdigung in der Begegnung zu praktizieren hat noch einen weiteren Effekt - dadurch das wir jemandem Würdigung entgegenbringen, erschaffen wir ein Wesen der Würdigung. Dies ist ein Geschenk an den Menschen dem wir gegenüberstehen. "Ich sehe dich", ich sehe dein wahres, göttliches Potential und ich sehe das da so viele Möglichkeiten sind, so viele Chancen dich zu entwickeln, dich zu entfalten, deinem göttlichen Selbst Ausdruck zu verleihen! Es geht nicht darum diese Dinge auszusprechen. In dem Augenblick in dem wir gedanklich fähig sind diese Würdigung zu vollziehen, erschaffen wir ein Wesen und einen Raum, in dem unser Gegenüber etwas zurückbekommt. Auf irgendeiner Ebene spürt er diese Würdigung und sie hilft ihm, eben dieses Potential um das wir wissen, zu nutzen. 
Und das ist für mich der Sinn und Zweck eines Namaste. Es ist keine sinnentleerte Floskel die uns anderen Menschen gegenüber als besonders esotrisch, als besonders yogisch, weltoffen oder wie auch immer darstellen soll. Es ist gelebte Spiritualität!

 

Kommentare:

  1. Tolle persönliche Erklärung :) Ich hatte, ehrlich gesagt, überhaupt keinen Schimmer, was das Wort genau bedeutet...

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  2. "god is everything. even the dog poop in the gutter." (guruka singh)

    danke für diesen eintrag <3

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  3. Ein ganz toller und zum Nachdenken anregender Beitrag, danke dafür!

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