Mittwoch, 30. Januar 2013

{Gastbeitrag} Großstadmagie oder auch: Hex in the city

Naturspiritualität – da denkt man doch an das Leben am Rand eines verzauberten Waldes, eine gemütliche Hütte am See oder zumindest ein schönes Hexenhäuschen in einem kleinen Dorf irgendwo zwischen Feldern, Wiesen und Hügeln. Doch ein großer Teil der Hexen, Heiden und Naturspirituellen unserer Zeit lebt nicht auf dem Land, sondern in der Stadt. Mir geht es ebenso – die ersten 18 Jahre meines Lebens verbrachte ich in einem winzig kleinen Dorf in einer sehr grünen und wilden Umgebung. Jetzt allerdings lebe ich in einer riesigen Stadt, in Berlin, mit ihren Betonwäldern, ihren Millionen von Einwohnern, ihrem Smog und anderen Dingen, bei denen man sich nicht gerade naturnah fühlt.

Doch die Magie findet sich in der Stadt genauso wie auf dem Land. Du kannst hier nicht eine natürliche Höhle erkunden, um dich wie im Bauch von Mutter Erde zu fühlen. Aber du kannst die Tunnel und Untergrundbahnhöfe der Stadt erspüren. Du kannst vielleicht nicht gar so leicht den Grünen Mann treffen wie in einem Feenwald – aber die Stadt hat ihre ganz eigenen Götter. Und ihren ganz eigenen Geist, ihre Persönlichkeit. Die Stadt hat ein Herz – wenn du es findest, kannst du es nutzen, um dort Kraft zu tanken. Es ist nicht unbedingt die geographische Mitte der Stadt, vielmehr ist es ein Ort, zu dem die Menschen strömen, wo die meisten lachen und glücklich sind und der dich ein bisschen aufgekratzt zurücklässt, wenn du dort warst. Viele Städte haben gleich mehrere Kraftorte – in Berlin haben wir zum Beispiel „Die blanke Helle“, ein See (und eine 9m lange Stierstatue), der eng mit der Göttin Hel verbunden ist und um den sich einige Sagen ranken. Ein Heimatverein kann dir oft solcherlei Orte nennen, nur schauen, ob sie wirklich magisch sind, musst du dann selbst.

In fast jeder Stadt findet sich auch ein Zugang zur Natur. Vielleicht ein Naturschutzgebiet mit einer ganz besonderen Artenvielfalt. In den meisten Fällen finden sich natürlich Parks in Städten. Allerdings bin ich keine Freundin von Parks, um sich der Natur zu nähern, zu meditieren oder gar rituell zu arbeiten, denn sie sind oftmals zu sehr von den Menschen kontrolliert und gestutzt, ihnen fehlt jegliche wilde Kraft und dank all der Leute, die in den Park gehen, um sich zu erholen und kräftig Energie zu saugen, fühlen sie sich auch manchmal ziemlich leer an. Daher bevorzuge ich eher Friedhöfe. Man staunt, wie lebendig Friedhöfe eigentlich sind – wie viele Eichhörnchen, Mäuse, Schmetterlinge, Vögel, Igel, Maulwürfe, wie viele Gräser, Ranken, Bäumen dort zu finden sind. Friedhöfe sind oft grüne, energiereiche Oasen in der Großstadt – und zudem ein guter Platz, um mit Spirits oder Göttern wie Oya, der Herrin der Friedhöfe, in Kontakt zu kommen.

Auch abseits vom Grünen gibt es genug Magisches in der Stadt – im Grafitti kannst du Botschaften lesen wie in Tarotkarten oder Runen, am Bordstein wachsen magische, robuste Pflanzen wie Löwenzahn oder Wegerich, deren Devas dir helfen können (achte besonders darauf, welche Pflanzen direkt um dein Haus herum wachsen), in einem Club kannst du ekstatisch tanzen und deine Energie mit der der anderen Gäste verbinden und lenken. Finde die Magie des Feuerelements in den elektrischen Leitungen, finde die Magie des Luftelements in einer Telefonzelle, finde die Wasserenergie in einem Abflussrohr und die der Erde in einem U-Bahnschacht – du wirst sehen, die Elemente sind überall.

Ich mag das Großstadtleben oft sehr – all die verschiedenen Kulturen, die hier zusammen kommen, bereichern auch meinen Glauben oftmals, all die anderen Hexen und Heiden, die sich hier auf Stammtischen und in Wäldern tummeln, sind immer wieder interessante Gesprächspartner und der Geist der Stadt ist sicher ein interessanter Verbündeter. Aber ich gebe zu: ich vermisse das Landleben oft und besuche regelmäßig meine Heimat, um mich dort zu reinigen und die Batterien aufzutanken, um dort ein langsameres, einfacheres Leben zu genießen, um barfuß durch die feuchten Wiesen zu rennen und in Baumwipfeln zu sitzen. Eine reine Stadthexe bin ich also auch nicht. ;) 

Dieser Artikel ist ein Gastbeitrag von der lieben Liathano, die sich bereit erklärt hatte etwas zum Theme Spiritualität und gelebtes Hexentum in der Großstadt zu schreiben. Auf ihren Blogs "Wege der Magie" und "In Peace and Beauty may I walk" könnt ihr mehr von ihr lesen! Für diesen Beitrag inkl. der Fotos liegt das ©opyright bei Liathano.

1 Kommentar:

  1. großstadt-spiri, was für ein tolles thema! lieben dank an dich liath, und auch an dich, karmi, für diesen gastpost!

    ich habe die ersten 30 jahre meines lebens in der großstadt gelebt. einer meiner kraftorte befand sich übrigens in einem park, allerdings im struppigeren, nicht so frequentierten bereich.

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