Donnerstag, 4. April 2013

{Buchrezension} Die Yoga Kriegerin

Drei Wahrheiten - du wirst geliebt, du kannst lieben, du verspürst Dankbarkeit. 


Es ist schon einige Zeit her - die Wilde Wölfin trug noch ihren Bauchzwerg unter ihrem Herzen - da schlenderten wir durch eine große Namenhafte Buchhandlung als mein Blick auf einen Tisch mit Neuerscheinungen und Empfehlungen zum Thema Yoga fiel. Dort sah ich zum ersten mal das Buch "Die Yoga Kriegerin" von Ana "Tiger" Forrest. Ich erinnere mich nichtmehr genau an meine Worte, weiß aber das ich sinngemäß zur Wölfin sagte, dass ich mir sicherlich kein Yogabuch kaufe für das eine Frau wirbt, die so verbraucht, frustriert und ja - gar angsteinflössend - aussieht, wie die Dame auf dem Cover.
Der Titel sprach mich an, dass Foto schreckte mich ab. Als ich das Buch in die Hand nahm las ich nur Sätze wie "Der Rockstar unten den Yogalehrern" und "das Bootcamp des Yoga". Ich stellte mir diese verbittert wirkende Frau vor, wie sie vor ihrer Klasse steht und in einem missmutigen strengen Ton Anweisungen gibt, mit einer Strenge und Unerbitterlichkeit das man sich kaum traut etwas falsch zu machen aus Angst vor Bestrafung. Eine Frau die sich vielleicht irgendwie cool und erhaben fühlt, in ihren Yogaklassen Metal und Rock laufen läßt und bei der es im Anschluss Bier statt Tee gibt.
Soweit also meine Vorurteile die an mir hafteten als ich das Buch schnell wieder auf den kleinen Tisch legte und weiter ging.
Nun bin ich seit geraumer Zeit in einer großen Bücherei angemeldet und habe dort das Buch "Alle sind erleuchtet" von Kirstin Rübesamen ausgeliehen und im März gelesen. Eine Art autobiografisches Buch von einer Yogalehrerin zu lesen fand ich so interessante und kurzweilig, dass ich beschloss beim nächsten Mal in der Bibliothek doch mal nach der Yoga Kriegerin zu sehen - das es dieses Buch dort gab hatte ich einmal durch Zufall durch den Suchbegriff "Yoga" entdeckt.

Nun gibt es zwei Möglichkeiten mit falschen Vorstellungen an dieses Buch heranzugehen. Die eine ist zu erwarten, dass es sich um ein typisches Yogabuch handelt, gefüllt mit Asanas, Übungsreihen, Atemübungen und Meditationen eines bestimmten Yogastils (in diesem Falle Forrest Yoga). Die andere Vorstellung - die ich hatte - war die von einer reinigen Biografie einer Yogalehrerin.
Das Buch "Die Yoga Kriegerin" ist tatsächlich aber eine Mischung aus beidem und noch einiges darüber hinaus.
In 11 Kapiteln führt von Ana Forrest durch ihr Leben, ihr Leid und ihre Freuden. Gleich zu Anfang des Buches wird klar - diese Frau ist wirklich eine Kriegerin, dass sie überlebt hat und sich so weit entwickelt hat wie sie heute ist wirklich beeindruckend. Eine Frau die mit einer körperlichen Behinderung auf die Welt kam, von frühster Kindheit an schwer körperlich und sexuell missbraucht wurde, in einer kaputten Familie groß wurde, an Epilepsie erkrankt ist, mit 4 Jahren anfing zu trinken, mit 6 zu rauchen, die Drogen nahm, unter schwerer Bulemie litt und deren ganzes Leben einem wie ein einziger Kampf erscheint. Als Jugendliche entschließt Ana Forrest sich das Leben zu nehmen, doch ihr Versuch missglückt woraufhin ihr klar wird, dass sie sich für das Leben entscheiden muss, mit allen Konsequenzen.

Sie ist 14 als sie das erste Mal eine Yogastunde besucht und 18 als sie alles hinter sich läßt, von einem Tag auf den anderen Drogen und Alkohol entsagt und eine Yogalehrerausbildung + einem kalten Entzug in einem macht. Sie erzählt von ihrer Arbeit als Yogalehrerin, von ihrer Zeit in Indien, ihrem Leben im Indianer Reservat, ihrer Ausbildung zur Heilerin, ihren Erfolgen und Rückschlägen.
In einem Interview mit ihrer Schülerin Patricia Thielemann von Spirit Yoga sagt diese über Ana Forrest: "[...] ich sehe sie eher so wie eine Schamanin, die einfach im Moment heraus erspürt was jemand braucht und wirklich so, die Essenz wittert".
Diesen Satz finde ich sehr treffend, denn diesen Eindruck habe ich im Verlauf des Buches auch von Frau Forrest gewonnen. In den einzelnen Kapiteln geht es darum vom Opfer zum Jäger zu werden, seine Ängste zu erkennen und sich ihnen zu stellen, das Leiden zu beenden, dem Tod ins Auge zu blicken, sich für das Leben zu entscheiden und zu kämpfen, seinen Spirit zu finden und auch mit Rückschlägen fertig zu werden.

In jedem Kapitel erzählt Ana Forrest etwas aus ihrem Leben, von ihrem Leid und ihren Erfahrungen die sie als Beispiele für die im Buch angesprochenen Entwicklungsmöglichkeiten gibt. Es folgen Ratschläge hinsichtlich der Yogapraxis, die dem Leser helfen sollen zum Beispiel sein Herz zu öffnen, seinen Spirit zu erfreuen, sich seiner Angst zu stellen, in Balance zu kommen. Ana Forrest erklärt Asanas in Bild und Schrift, gibt Meditationsanleitungen und Atemübungen weiter. Ich hatte beim lesen den Eindruck das es bei ihrer Art Yoga zu unterrichten eben um weit mehr geht als gelenkig zu werden und gut auszusehen oder sich "einfach" spirituell weiter zu entwickeln. Ihr Yoga führt durch Prozesse, es soll helfen an versteckte Emotionen, an Blockaden, an Traumata heranzukommen und diese zu verwandeln.

Ana Forrest scheut nicht mehrfach darauf zu verweisen sich bei schweren Themen wie sexuellem Missbrauch dringend therapeutische Begleitung zu suchen und sich nicht alleine und auf eigene Faust zum Beispiel mit Yoga zu therapieren.

Die Autorin wird oft dafür kritisiert stellenweise eine sehr vulgäre Ausdrucksweise an den Tag zu legen. So heißt zum Beispiel ein Kapitel "Verwandle Scheiße in Dünger". Ana Forrest nimmt kein Blatt vor den Mund, immer wieder begegnen einem Wörter wie "Scheiße", "Kotzen" oder "Ficken". Sie macht ebenfalls keinen Hehl daraus das sie mit den Yoga Sutras von Patanjali nicht viel anfangen kann, sie kein Fan von "Gewaltlosigkeit" ist, sie nie "die andere Wange auch noch hinhalten" würde und überhaupt denkt, dass viele yogische Grundsätze nicht zu Heilung führen.
In dem Kapitel über ihre Reise nach Indien erzählt sie von ihrer Begegnung und Lehrzeit bei B.K.S. Iyengar von dem sie schreibt das er seine Schüler durch Schlagen, Spucken und Schreien korrigiere. Die Zeit bei ihm habe sie gelehrt was sie wirklich wissen müsse, nämlich das man die Weisheit nie in anderen suchen könne, da sie nur in einem selbst liegt.
Man mag Forrest Ausdrucksweise für unangemessen halten und das was sie über Herr Iyengar schreibt als dreist empfinden. Ich finde ihr Buch vor allem sehr authentisch und mutig. Ana Forrest lehrt nicht anzugreifen, sie lehrt sich zu schützen und zu verteidigen. Sie ist ehrlich in ihrer "Abrechnung" mit Yoga, sagt klar was für sie nicht passt, zeigt aber durchgehend ihre Leidenschaft und ihre Liebe für Yoga.

Ein weiterer Kritikpunkt der mir bei anderen Rezensionen begegnet ist, mag vor allem an den Inhalten der fortschreitenden Kapitel liegen. Das Buch wird ab einem gewissen Punkt immer spiritueller. Es geht um amerikanische Ureinwohner und ihre Kulut, über indianisches Heilwissen, um Geistwesen/Spirits, darum den eigenen Spirit zu finden, zurückzurufen und zu heilen falls man ihn verloren hat oder er zerstört wurde. Forrest beschreibt wie sie Krankheiten wahrnimmt als Energien, Empfindungen, körperliche Sensationen. Sie erzählt von Sonnentänzen, Medizinliedern, sie regt zum singen, trommeln und tanzen an. Das mag dem ein oder anderen sicherlich zu abgehoben sein und viele Yogafans können eventuell mit der indianischen Kultur und dessen Spiritualität nicht viel anfangen.

Für mich persönlich ist das Buch wirklich eine überraschende Perle unter den Yogabüchern die ich bisher gelesen habe. Wenn meine Ausleihfrist abgelaufen ist werde ich mir dieses Buch sicherlich kaufen da ich gerne einiges des darin enthaltenen Praxiswissen ausprobieren und in mein Leben integrieren möchte.

Zum Abschluss noch ein Video einer Yoga Performance aus dem Jahr 2012 von Ana Forrest um einen kleinen Eindruck von Forrest Yoga zu gewinnen.


Kommentare:

  1. Ah, das hat mich jetzt neugierig gemacht. Das kommt auf meine (ziemlich lange) Leseliste. Danke für die Rezension.

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  2. Meine Güte! Ich habe mit genau dem gleichen Gedanke vor diesem Buch gestanden und gedacht: Nee, das ist aber nichts für mich. Nun muss ich dann wohl doch mal los und das Büchlein kaufen. Danke für den Tipp! und liebe Grüße

    Silja

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  3. Liebe Karmi,
    mir ist die Yogakriegerin durch die Happinezz begegnet. Danke, dass du sie mir wieder ins Geächntnis gebracht hast. Irgendwie ist sie untergegangen und landet jetzt auf meinem Wunschzettel...
    Deine Rezension hat mir sehr geholfen, ein Gefühl und einen Einruck zu gewinnen. Sie hat mich berührt. Danke schön!

    Liebste Grüße,
    Frau Momo

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  4. Hey,

    mich hat das Cover interessanter Weise sofort angesprochen. Aufgrund der durchwachsenen Kritik in der "Yoga aktuell" habe ich dann erst einmal vom Kauf abgesehen. Nach deiner Rezension hibbele ich aber danach, es irgendwo in die Finger zu kriegen. (Was erfahrungsgemäß jetzt ewig dauernd wird. Wie das immer so ist, wenn man etwas dauernd sieht, nicht will und dann...)

    Liebe Grüße
    Kathrin|Kongruentes Chaos

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  5. Interessant! Offenbar hatten die meisten von uns dieselbe Intention als wir das Buch zum 1. Mal sahen. "Hä? Wie versoffen und verkokst und verlebt sieht die denn aus?"! ;-) Deine Rezension hat mich auf jeden Fall neugierig gemacht. Da ich fäkalgäre Sprache allerdings ziemlich ablehne muss ich über einen eventuellen Kauf erst gründlich nachdenken!
    Danke auf jeden Fall für deine ausführliche Empfehlung!

    Liebe Grüße
    Darja

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    1. Ich würd einfach mal reinlesen, ist es ja nicht jeder Satz vulgär und fäkaliengeladen ;)
      LG

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