Donnerstag, 25. April 2013

{Gartenliebe} Gartenleidenschaft

Dieses Jahr gehen endlich meine lang gehegten Gartenträume in Erfüllung! Meine Eltern besaßen über 40 Jahre lang einen Schrebergarten. Dort bin ich quasi groß geworden! Ich erlebte das Kleingärtnerdasein alles andere als spießig oder altbackend, wie man sich es allgemeinhin wohl eher vorstellt. Meinem Vater war es wichtig, dass sein Kind mit Erde in den Händen groß wird, es im Matsch spielen darf, Pflanzen und Tiere kennenlernt und nicht in der Stadt groß wird. Wir waren in meiner Kindheit viel im Garten, im Sommer während der Schulferien manchmal mehrere Wochen. Während meine Eltern zum duschen nach Hause führen bekam ich lieber eine Gießkanne warmes Wasser über den Kopf gekippt. Ich hatte mein eigenes Beet, pflanzte ein wenig Gemüse an. Später, in meiner Jugend, legte ich besonders viel Wert auf ein großes Kräuterbeet, immerhin wollte ich als richtige Hexe auch ordentliche Kräuter zur Verfügung haben!
Ich spielte mit großer Leidenschaft im Matsch, wälzte mich im Regen in großen Pfützen - was meine Mutter aufgrund der verschmutzen Kleidung zum Wahnsinn trieb, spielte mit meinem Fahrrad "Pferdereiten" und hatte einen imaginären Bauernhof. Wenn es im Sommer regnete ging ich danach bedacht durch den Garten und sammelte Regenwasser von den Blüten und Blättern. Besonders schön sammelten sich große Tropfen auf den Blättern der Kapuzinerkresse. In einer alten ausgedienten Regentonne "kochte" ich mit Freundinnen Hexensuppe. Wichtige Zutaten waren Gräser, Blüten und natürlich Gewürze aus Mamas Küchenschrank (was sie wiederum nicht sehr erfreute, wenn beim kochen plötzlich kein Salz mehr da war...). Der Sandkasten wurde gerne mal unter Wasser gesetzt - dann musste die Waschbärfamilie sich vor den Fluten in ihrem Heim retten- wennbesonders große Steine gefunden wurden, so nahm ich einen Hammer und zerbrach sie um mich an ihrem glitzernden Innenleben zu erfreuen. Besonders schöne Exemplare und Blumensträuße die ich mir in anderen Gärten zusammenklaute borgte wurden an Passanten in der Anlage verkauft. 10 Pfennig hierfür, 15 Pfennig dafür... An heißen Sommertagen gab es Wonnestunden im Planschbecken, im Biotop konnte man Frösche und kleine Insekten im großen Teich beobachten, in unserem Tümpel gab es einen Goldfisch und wenn der Fischreiher kam dann brachte bestimmt ein netter Nachbar einen neuen. Ansonsten waren da ja auch immernoch die Frösche und die schwarze Erdkröte mit den roten Augen die im Kompost lebte. Oder die Lurche die es sich im Wasserschacht an der Zähleruhr gemütlich gemacht hatten. Im Frühjahr brüteten Singvögel in unserer Hecke und ich freute mich über jede zerbrochene Eierschale die ich fand. Es gab Katzen und Igel, Kaninchen und Mäuse. Manchmal fing ich besonders bunte interessante Käfer im Glas um später mit meinem Vater nachzuschlagen was das denn für ein hübsches Ding ist. Ich liebte es im Garten zu übernachten, nach einem leckeren Grillschmaus Abends am Lagerfeuer zu sitzen, die Sterne zu beobachten und am nächsten Morgen die Sonnestrahlen durch die Tür fallen sehen während draußen der Kuckuck ruft. Natürlich waren da auch gruselige Tiere, die riesigen Wolfsspinnen die manchmal aus dem Abfluss hochkrabbelten und dann in der Spüle saßen oder sich hinter der Fensterklappe versteckten, die riesig große Hornissenkönigin die jedes Jahr aufs neue ihre Runden über den Garten zog um ein Nest zu suchen, oder die riesen Libellen die ja eigentlich hübsch anzusehen waren, mir aber durch ihren unkontrollierten Flug Angst machten. Da lief ich lieber in den Sommernächsten durch Wald und Flur, umgeben von einem Meer von Glühwürmchen die man vorsichtig fangen und im Licht betrachten konnte. Alles in Allem - das Gartenleben ist einfach wunderbar!


Umso erfreuter war ich, als wir Ende 2012 eine neue Bleibe fanden, zu der auch ein kleiner Garten gehört.
Dieses Stück Land zu bewirtschaften ist nicht leicht. Das Haus liegt am Hand und bis auf die Terrasse und ein kleines Stück des Gartens dahinter, ist alles abschüssig. Außerdem wurde hier anscheinend nie Gemüse angebaut. Bis auf ein paar vereinzelte Obststräucher gibt es vor allem Blumen, Büsche, Stauden und Bäume. Ein riesiger Ahorn wächst im Garten, ebenso wie eine stattliche Birke und eine alte Zwetschge. Es gibt einige Haselbüsche, Koniferen, Buchsbäume, Rhododendren sowie eine große verwilderte Brombeerhecke und einige Rosen. Ach und einen hübschen Flieder haben wir auch noch! Da wir zu Miete wohnen können wir auch keinen Baum einfach fällen - was mir auch irgendwie zu Leid täte. Deswegen versuche ich die gegebenen Bedingungen zu nutzen und das beste daraus zu machen. Da die Birke ein Flachwurzler ist, kann ich Gemüseanbau direkt in unmittelbarer Nähe auf ebener Erde vergessen. Also habe ich ein Hügelbeet angelegt, auf dem nun auch schon die ersten Pflanzen sprießen! Ein weiteres Hochbeet ist in Planung. Auf dem Beet das bisher für Blumen und Stauden genutzt wurde wächst noch so viel, dass ich es nicht über das Herz bringe alles raus zu reißen. Ich möchte erstmal abwarten was sich dort entwickelt. Davon abgesehen haben wir keinen guten Humusboden. Der Boden ist sehr fest und durchsät mit Steinen. Einige Kräuter habe ich jedoch schon auf das Blumenbeet gesetzt. Zum Glück gibt es ja noch eine große Terrasse. Dort werden nach den Eisheiligen Tomaten, Zucchini und Co in Kübeln einziehen.

Aber weil man ja nicht nur im Garten ackern, sondern sich auch Entspannung gönnen sollte, werde ich mich jetzt auf den Weg machen und eine Sonnenliege kaufen. Die hilft mir sicherlich weiter in Kindheitserinnerungen zu schwelgen :)

unser frisch ausgesäter Rasen beginnt zu sprießen

der untere Teil ist schon gut bewachsen - Zeit zum ersten Mähen

Radieschen sagen hallo

der Mangold wächst

wie schön der Spinat kommt!

da erhebt die Buchweizen aus der Erde

überall haben sich Erdbeerpflänzchen ausgesät

Knollenziest, auf den bin ich ja mal sehr gespannt!

Kommentare:

  1. Wie schöööön dieser Post doch ist!
    Udn was für zauberhafte Bilder, ich liiiebe es und finde es so mega unglaublich wenn (Gemüse-) Pflänzchen so zart und winzig und doch so stark ganz vorsichtig mit ihren ersten Blättchen durch die Erde lugen!
    Himmlisch und immer wieder zum Staunen!
    Du baust Buchweizen an?
    Wie spannend, da bin ich abe rneugierig... ich selbst habe noch nie getreide versucht. ^^
    Viel viel Glück weiterhin mit dem Garten, es gibt nichts schöneres als die Natur zu spüren!
    Und Sonne tanken ist ja auch soooo wichtig, also wünsche ioch Dir eine sehr gemütliche Liege damit Du Deinen Garten auch im relaxten Anblick geniessen kannst. hihihi
    GLG, MamaMia

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    1. Ja ich bin auch mal SEHR gespannt was aus dem Buchweizen wird. Ich steh ja irgendwie auf unkonventionellen Kram, auch auf alte Gemüsesorten und so. Da wird noch viel auf mich warten entdeckt zu werden :D
      LG
      Karmi

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  2. Liebe Karmi,

    vielen Dank für diesen tollen Artikel über deine Gartenleidenschaft. Sofort wurden Kindheitserinnerungen in mir wach. Ich freue mich auf künftige Gartenbeiträge! :-)

    Alles Liebe
    Darja

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    1. :) Ihr hattet dich nen Garten am Haus, oder?
      LG

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  3. Zuaberhaft dein Rückblick. Ich habe mir als Kind immer gewünscht, dass mich jemand so selbstverständlich mitnimmt in die WElt der Kräuter und des Gärtnerns. Vielleicht habe ich eines Tages ja die Gelegenheit, bei und von jemandem zu lernen. Ich habe einfach diese völliug romantisierte Vorstellung von der persönlichen Lehre!^^

    Liebste Grüße und frohes Schaffen,
    Frau Momo

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    1. Hihi, ich auch :D
      Ich bin ja son Storl Fan - manchmal wenn ich so an unserem Grundstück entlang laufe oder durch das Waldstück gegenüber, dann wünsch ich mir er würde mal so nen privaten Herbwalk mit mir machen und mir alle Pflanzen und ihre Geschichten, Wirkungen usw. erzählen. <3
      Das wäre toll ;)

      LG
      Karmi

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  4. Herrlich wie es überall spriesst. Und welch toller Rückblick ;-)
    Ich wünsche Dir ein schönes Gartenjahr, viel Freude beim Ernten und erleben.
    Gewiß machst Du dann auch mal Yoga auf dem Rasen ...

    Liebe Grüße,
    Beltane

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  5. Ach....deine Beschreibung klingt ganz genau wie meine Kindheit auf dem Land...Da werden so viele schöne Erinnerungen wach! Eine der schönsten ist die, zusammen mit meinem Bruder und meinen Cousinen im Dunkeln durchs hohe Gras zu streifen und Glühwürmchen zu suchen, die überall wie kleine geheimnisvolle Lichter herumtanzen...und dann später in Decken eingemummelt auf der Wiese zu liegen, den Geruch von feuchter Erde um uns herum, während vor uns das Grillfeuer knistert und sich die Erwachsenen leise unterhalten :-)

    Meine Eltern haben übrigens auch einen Garten, der zum größten Teil abschüssig ist. Vor einigen Jahren habe ich ihnen geholfen, dort einen Kräuter-Hang-Garten anzulegen. Wir haben unregelmäßige Natursteine genommen, um die einzelnen Terassenstufen einzufassen. Bei verschiedenen Spaziergängen haben wir Wildkräuter mitgenommen und sie zwischen den Steinen angepflanzt. Ist ganz toll geworden, die Kräuter sind mittlerweile große Büsche und im Sommer fühlen sich die Eidecksen pudelwohl an den aufgewärmten Steinen.

    Viel Spaß beim Buddeln und Genießen!
    Maren

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    1. Das mit den Wildkräutern in der Natur suchen und in den eigenen Garten pflanzen ist ja ne super Idee! :) Werd ich dieses Jahr auf jeden Fall mal die Augen offenhalten.
      LG
      Karmi

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  6. Wie schön euer Garten ist :) Und deine Kindheitserinngerungen auch!

    Leider hatten wir nie einen Garten, auch keinen Schrebergarten, aber ich wollte immer schon unbedingt einen haben, ein eigenes Fleckchen Natur ist einfach großartig. Umso glücklicher bin ich jetzt darüber, dass zu unserem Haus ein großer Garten gehört. Der gehört uns zwar nicht allein, er wird auch von anderen genutzt und anbauen können wir doch auch nicht wirklich etwas, aber er ist groß und hey, immerhin ist es ein Garten. Und Gemüse bauen wir ja jetzt in der Parzelle an. Bis ich mir irgendwann den Traum von einem wirklich eigenen, großen Garten erfüllen kann, ist das schon mal eine sehr gute Übergangslösung :D

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    1. Ach so ein bisschen Garten ist doch schon wunderbar! Einfach draußen sitzen können, die Sonne genießen, den Wind auf der Haut spüren, grillen usw. Mir hätte bei meinen letzten Wohnungen ja schon ein kleiner Balkon gereicht! Zuletzt hatte ich auch nen Gemeinschaftsgarten. War aber nur ne Wiese hinterm Haus und alle anderen Partein im Haus hatten nen Balkon und haben ihn nie genutzt. Da kam man sich reichlich blöd vor wenn man da unten auf der Wiese lag, sowohl die Nachbarn haben von oben auf einen runter geguckt, als auch die Leute die an der Straße vorbeigingen an der die Wiese lag...

      LG
      Karmi

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