Donnerstag, 21. November 2013

{Interview mit Diarmuid} Permakultureller Waldgarten in Irland

Mitten im schönen County Leitrim in Irland lebt Diarmuid. Der gebürtige Ire und stolzer Vater dreier Kinder ist in Dublin, Sligo & Südafrika aufgewachsen. Sprachbegeistert spricht er fließend englisch, irisch, italienisch, deutsch und französisch. Nach seinem Wirtschaftswissenschaftsstudium und seiner Tätigkeit als Finanzjournalist in Anstellung und Eigenständigkeit entschießt er vor ca. 15 Jahren einen radikalen Cut zu machen und sich von der gesellschaftlichen Norm abzuwenden, hin zum Abenteuer des Selbstversorgerlebens. Er kaufte sich ein großes verwildertes Grundstück, baute ein Haus und legte die Grundsteine für einen permakulturellen Waldgarten. Bei meinem letzten Besuch in Irland war es mir möglich Diarmuid nicht nur wie gewohnt zu besuchen, sondern auch ein kleines Interview mit ihm über sein Leben und seinen Traum zu führen.

Diarmuid, wann hast du dieses Grundstück gekauft und was war dein ursprünbglicher Traum den du hier zu verwirklichen versuchst?
Ich habe dieses Grundstück vor fast genau 14 Jahren gekauft und das Ziel war, ein bisschen weg zu kommen und außerhalb des Systems zu leben, mein eigenes Essen anzubauen und für meine Bedürfnisse selbst zu sorgen.


Was genau ist permakulturelles Gärtnern und was verbirgt sich hinter dem Begriff "Waldgarten" so wie du ihn hier aufgebaut hast?
Er ist noch nicht zu 100% fertig aufgebaut aber schon bald. Bei einem Forestgarden möchte man Pflanzen nutzen die jedes Jahr wachsen. Diese werden in einer größeren Anzahl auf verschiedenen Nivaus gepflanzt. Obstbäume werden für Früchte und andere Materialien gepfanzt, davor setzt man Büsche, ebenfalls für Früchte, auch für essbare Blätter. Auf dem Boden pflanzt man andere nützliche Pflanzen. Das Ziel ist es einen Garten voller nützlicher Pflanzen zu haben, der sich selbst entwickelt und dabei nicht so viel Arbeit macht, so das man Zeit hat für ernten, tanzen und Musik machen.

Küchenimpressionen

Was ist das spezielle an permakulturellem Gärtnern in einer nordeuropäischen Zone wie Irland im Vergleich zu warmen südlichen Ländern?
Die Schnecken - das ist der Hauptunterschied denn sie fressen sehr viele Dinge. Man muss sie ein bisschen verstehen, ihnen auch Respekt entgegenbringen, manche Pflanzen muss man sehr verteidigen gegen die Schnecken bis sie groß genug sind. Man sollte auch Pflanzen wählen die nicht so gerne schon Schnecken gefressen werden. 






 
Ist permakulturelles Gärtnern hier in Irland schwieriger als in südlichen Ländern?
hier wird mit Schafswolle gemulcht
Es hängt davon ab, im Süden muss man sich viele Sorgen um die Wasserversorgung machen. Hier müssen wir uns um diese Frage meistens keine Gedanken machen. Wir wissen woher das Wasser kommt. Ich denke wenn ein Permakulturgarten hier gut und durchdacht angelegt ist, klappt es auch bei uns im Norden gut. Wir sind ja nicht in der Tundra.

Du hast hier nicht nur einen Waldgarten angelegt, sondern du lebst auch in einem selbstgebauten Holzhaus. Als ich über dein Grundstück gegangen bin habe ich auch noch andere Dinge zwischen all den Bäumen & Pflanzen gesehen. Kannst du so ein bisschen beschreiben was du bisher alles gebaut hast hier?
Ein Entenhaus mit einem Wasserloch, ein Hühnerhaus, ein Gewächshaus und Polytunnel, ein paar Schuppen, eine Eco-Dusche, ja das ist es mehr oder weniger. Ich möchte gerne etwas aus Lehm bauen, aber bisher habe ich nur Probesteine gefertigt. 

Du hast hier ganz schön viel gebaut und angelegt in den letzten 14 Jahren, hast du dir dieses Wissen selbst anggeignet, gelesen oder woher wußtest du wie man das alles baut und gestaltet?
Viel habe ich natürlich aus Büchern aber am besten ist es sich mit Menschen auszutauschen die Erfahrung haben und dir genau zeigen können oder sogar mithelfen. Also ein bisschen aus Bücher aber ich glaube am besten lernt man von anderen.

Du hast hier das Jahr über immer wieder Menschen die dir helfen, sogenannte Woofer die für Kost & Logie bei dir leben und dir unter die Arme greifen. Was sind das für Menschen?
Alle möglichen Menschen, meistens sehr gut wie ich sagen muss. Im Sommer kommen immer sehr viele, vor allem Studenten. Im Winter wird es ein bisschen weniger. Aber so ein Projekt bewerkstelligt man besser nicht alleine sondern immer mit ein paar Leuten zusammen. So geht alles besser und schneller und es macht mehr Spaß. Insgesamt kommen hier wirklich gute Leute hin.

Was sind deine Pläne für die Zukunft?

Ich möchte viel mehr schwarze Johannisbeeren anbauen, viel viel vielmehr schwarze Johannisbeeren! Und auch noch viel mehr Kräuter für den Boden. Im Moment habe ich einen kleinen Kräutergarten aber ich möchte eine menge verschiedener Pflanzen hier kultivieren. Es gibt so eine große Auswahl von verschiedenen Pflanzen und ich möchte noch viel mehr davon probieren. 
Außerdem möchte ich ein schönes bequemes Ecohaus aus Lehm, Stroh und Sand - soetwas in der Art, es steht noch nicht 100% fest - bauen. Ein gut isoliertes Haus nur aus Naturmaterialien, also natürlich auch mit Holz, einem Holzgerüst und Lehmwänden. Also wenn es da draußen irgendwelche Wandergesellen gibt die nächsten Sommer frei sind, Zeit und Lust haben nach Irland zu kommen und mir zu helfen, das wäre toll!

Du sagtest vor dem Interview das du nur jedem raten kannst sich zu trauen solch ein Selbstversorgerleben zu verwirklichen wenn er sich danach sehnt, so wie du deinen Traum verwirklichst. Gibt es noch abschliessende Worte die du meinen Lesern gerne mitgeben möchtest, gibt es eine Botschaft die du mit der Welt teilen möchtest?
Ich glaube es gibt viele Möglichkeiten selbstversorgend zu leben, auch wenn man in der Stadt lebt. Man kann viel machen, zum Beispiel eigenes Brot backen, einen Kleingarten pachten, Pflanzen auf dem Balkon oder der Fensterbank wachsen lassen. Egal wo du lebst, du kannst viel viel machen!

Vielen Dank für das Interview!

Grünkohl soweit das Auge reicht

Grünkohl & Senf
Aine & Diarmuid mit ihrer Tochter
erste Versuche mit Lehmmischung
Polytunnel
Eco-Dusche
irische Gemütlichkeit
über mangelndes Wasser muss man sich hier wirklich keine Sorgen machen

 
das Entengehege
hier stapelt sich Brennmaterial
ein Übergang in Arbeit
Noch mehr Informationen über Diarmuid Forestgarden findet ihr bei Aine hier, hier und auch noch hier. Falls ihr gerne Kontakt zu Diarmuid hättet, gerne einmal bei ihm vorbeischauen wollte, einen Woofer-Platz sucht oder sogar Wandergesellen seid die beim Ecohausbau helfen wollen könnt ihr über Aine natürlich Kontakt aufnehmen. Oder unter den folgenden Kontaktmöglichkeiten:

Diarmuids Homepage
seine Paddlemonky Facebookseite

Kommentare:

  1. " Man muss die Schnecken ein bißchen verstehen und ihnen auch Respekt entgegen bringen." Was für wunderbare Worte. Ich habe mal in einer Demeter Gärtnerei gearbeitet und dort habe ich die Schnecken immer weg gebracht. Konnte mein Chef so gar nicht verstehen.

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  2. Huhu Karmi,

    danke für Deinen lieben Bericht und den Aufruf an Wwoofer und Wandergesellen....! Hoffentlich meldet sich jemand bei uns, der helfen mag, bzw auch jemand, der sogar Ahnung vom Hausbau hat....! Mal schauen, wie es nächstes Jahr so voran geht....! :)

    Tolle, ausdrucksstarke Bilder hast Du gemacht....! :)

    Liebe Grüße von Aine

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  3. Oh, was für eine wundervolle Idee Karmi!
    Habe auch schon gut Werbung bei Freunden gemacht, die vielleicht mal Woofern wollten, aber das hier ist ja die beste Werbung! Ich finde die Eco-Dische grandios! Und der Übergang sieht jetzt schon mal zumindest sehr schön aus ;)
    Habe mich nach meiner Rückkehr auch schlau gemacht, wie man einen permakulturellen Garten anbaut, aber ich denke, wenn es soweit ist, werde ich mich lieber mit Diarmuid zusammensetzen :D
    Wundervoll sieht der Garten aus! Bin gespannt wie alles ist, wenn es fertig wird!

    Herzliche Grüße
    Kerry

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  4. Vielen Dank für die tollen Eindrücke und das sympathische Interview! :)
    Wenn auch diese Lebensweise für mich prs. so gut wie unvorstellbar ist, finde ich das dennoch wahnsinnig spannend.

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