Sonntag, 26. Januar 2014

{Glueck} Besitz anzuhaeufen macht nicht gluecklich

Das Glück wohnt nicht im Besitze und nicht im Golde, das Glücksgefühl ist in der Seele zu Hause
Demokrit
 
Schon seit einigen Monaten denke ich oft über meinen materiellen Besitz nach. Ich schlender hier und da durch unser Haus, lasse meinen Blick schweifen, öffne Schubladen und Schränke und schmunzel vor mich hin. Es ist gerade mal ein Jahre her das wir umgezogen sind und ich erinnere mich als wäre es gestern gewesen an all die mühselige Vorbereitung und den Umzugsakt an sich. Unzählige schwere, voll gefrachetet Kartons die von einem Heim ins nächste ziehen sollten. „Wie ist es nur möglich soviel Kram zu besitzen?“ Geht es mir heute noch oft durch den Kopf. Als ich die Speisekammer für die Space Clearing Aktion aufgeräumt habe war ich sprachlos wie viele Dinge ich aus diesem winzigen Raum herausgeholt und um mich herum drapiert hatte. Alleine damit hätte man viele Kartons füllen können. Ist es nicht wahnwitzig das wir trotz all unserem materiellen Besitz oftmals das Gefühl haben uns fehle noch etwas, es wäre nicht genug? Für Besitztümer scheint es keine Grenze zu geben. Während ich mich frage was ich mit meinem Geld bloß anfangen sollte wenn ich Millionären wäre, so brauche ich nur meinen Blick richtig Hollywood wenden und sehe Menschen in Villen mit 10 Schlafzimmern, Innen- und Außenpool, 5 Autos, 3 Ankleiderzimmern und Kisten voller edlem Schmuck.
Eigentlich wissen es die meisten von uns, Besitztümer machen nicht glücklich und doch fallen wir immer wieder auf Werbung und Konsumeinflüsse herein. Dachte ich gerade noch darüber nach wie viel glücklicher Menschen in armen Entwicklungsländern gegenüber uns reichen Westlern sein sollen, so entdecke ich im nächsten Moment schon ein neues paar Schuhe welches ich meine unbedingt noch zu brauchen, schließlich passt es perfekt zu diesem einen Rock den ich neulich erstanden habe. Ich hänge der Illusion nach mein Glück läge in hochwertigen Küchengerätschaften wie einem Hochleistungsmixeroder einem Dörrofen, im Kauf von 5 neuen interessanten Büchern, im ausgefallenen Handgefertigten Haareschmuck den ich bei etsy gesehen habe oder meiner Lieblings Gesichtscreme. Tatsächlich, Besitz zu erstehen kann uns glücklich machen, alleine der Akt des Kaufens löst eine entsprechende Reaktion im Belohnungzentrum unseres Gehirns aus. Im Schlimmsten Falle ist dieser Effekt nur von Sekunden- bis Minutenlanger Dauer wie bei einem Kaufsüchtigen der seinen neu erstandenen Besitz ungenutzt und noch in Verpackung und Einkaufstüte zu Hause stapelt, immer auf der Suche nach einem neuen Kauf-Kick. Etwas länger hält das Glück beim durchschnittlichen Konsumenten natürlich meistens doch an. An meinem neuen paar Schuhe kann ich mich sicherlich eine ganze Weile erfreuen und für meinen Hochleistungsmixer bin ich evtl. sogar noch einige Jahre bei der Zubereitung schmackhafter Speisen dankbar. Aber spätestens wenn ich ein neues Paar Schuhe sehe oder etwas ganz und gar anders zauberhaftes meine Aufmerksamkeit weckt bin ich nicht mehr zufrieden und glücklich mit dem was ich habe. Ich sage mir nicht „hey, was auch immer ich grad in Zeitschrift xy (oder bei meiner Freundin, im Geschäft, bei ebay etc.) gesehen habe, brauche ich nicht! Ich habe dieses neue paar Schuhe und bin damit so glücklich“!
Toller, schneller, besser. Kaufe ich mir heute eine Spiegelreflexkamera ist diese in einem halben bis einem Jahr schon überholt und in 2-3 Jahren sicherlich eine alte Möhre. Technik entwickelt sich ständig weiter, Mode folgt immer neuen –oder alten aufgefrischten- Trends, selbst an der liebsten Wohnungseinrichtung mit tollen Möbeln und Dekoration kann man sich schlichtweg einfach satt sehen.
Ich persönlich finde den vielen Besitz den ich mein Eigen nennen kann eigentlich eher belastend. Meine CD Schrank ist voller Datenträger die ich im Grunde so gut wie nie abspiele, im Keller häuft sich Zeug das man ja irgendwann noch einmal gebrauchen könnte, der Kleiderschrank ist so voll das ich oft nichts zum Anziehen finde und das Bücherregal ist voller Literatur die ich nicht hergeben mag weil ich sie bestimmt doch in einigen Jahren noch mal lesen oder zumindest einen Blick hineinwerfen möchte.
Wenn ich Staubwische oder aufräume ärgere ich mich über Klimbim und Schmutzmagneten die überall herumstehen und liegen und wenn ich etwas bestimmtes Suche wühle ich mich oftmals durch eine Menge Unrat von dem ich nicht einmal wusste das er noch in meinem Besitz ist. Wenn ich morgen entscheiden würde mein Leben hier aufzugeben und mit dem Rucksack um die Welt zu reisen, wohin mir all diesen Dingen? Wenn ich heute sterben würde weil mir ein Blumentopf auf den Kopf fällt, wer muss sich dann damit abmühen all meinen Besitz aufzuteilen, weiterzuleiten oder zu entsorgen? Überhaupt, wenn ich meine Zeit gekommen ist und ich diese Seinsweben verlasse kann ich sowieso nichts „nach drüben“ hin mitnehmen.
Natürlich habe ich weder vor heute zu sterben noch Morgen alle Leinen loszulösen und um die Welt zu tingeln. Aber trotzdem frage ich mich wozu ich so viele Dinge besitze. Wenn ich meine DVDs doch sowieso kaum gucke, Bücher nicht lese, Kleidung nicht oder nur ungern trage, immer nur eine Bettwäsche von zehn zur Auswahl stehenden aufziehen und nur eine von sechs Rührschüsseln benutzen kann.
Vor einiger Zeit habe ich mich etwas intensiver mit dem Tiny House Movement beschäftigt. Die Anhänger dieser aus Amerika stammenden Bewegung leben in nachhaltigen kleinen Häusern mit einer Wohnfläche von maximal fünfundfünfzig Quadratmetern. Besonders fasziniert war ich von kleinen Häusern die auf Autohängern gebaut werden und eine Wohnfläche von gerade mal ca. elf Quadratmetern bieten. Auf dieser winzigen Fläche leben Menschen (auch Paare) mit einer kleinen Küchenzeile, einer Dusche, Toilette, einem Schlafplatz unter dem Dach und einem Miniwohnraum. Während viele von dieser Art des Lebens vielleicht eher abgeschreckt wären, mich hat es mich zum nachdenken angeregt. Wie fühlt es sich wohl an auf so kleinem Raum zu leben? Welche meiner Besitztümer könnte ich dort unterbringen wenn mir nicht mehr zur Verfügung stände. Auf was müsste und vor allem worauf könnte ich verzichten? Wäre dies eine schlimme Einschränkung oder eventuell sogar etwas befreiendes?
Vorerst bin ich zu dem Schluss gekommen das elf Quadratmeter wirklich harte Kost für mich wären, denn zumindest einige heilig gehaltene Bücher sowie meine Ritual- und Altarutensilien müssten mit und würden diesen Raum wohl schon an seine Grenzen bringen. Aber ein Umzug in solch ein Minihäuschen ist ja weder gedacht noch geplant. Trotz allem habe ich im Rahmen meiner Überlegungen mal wieder mein Entrümplungs-Feng Shui Deluxe gestartet und betrachte meinen Wohnraum mit kritischen Augen. Unter diesem Blick mussten nun schon einige Säcke für die Altkleidersammlung sowie rund vierzig bis sechzig Bücher weichen und dies ist erst der Anfang. Ein positiver Nebeneffekt – geben macht glücklicher als nehmen und noch dazu bekommen wir um so mehr geschenkt wenn wir vollen Herzens zu geben bereit sind. Daher wandern die wenigsten Dinge beim nächsten Entsorgungsbetrieb sondern werden an andere Menschen weitergegeben. Zu jener Praxis kommt das Gewahrsein und die Dankbarkeit hinzu für all die wunderbaren Dinge die ich mein eigen nennen kann und darüber hinaus für all das in meinem Leben was mich wirklich glücklich macht - meine Gesundheit, meine Freunde, Familie, die Liebe zu meinem Mann, unsere Katzen, meine Arbeit und Kollegen, das schreiben, singen, tanzen und lachen, in der Natur sein, spazieren, den Körper bewegen können, gutes Essen schmecken und das Leben zu genießen.

Kommentare:

  1. Hallo Sarah,

    deine oben beschriebenen Gedanken beschäftigen mich auch seit geraumer Zeit ... Nämlich seit ich über das "Tiny Tack House" von Chris und Malissa gestolpert bin. 11 Quadratmeter erscheinen erst mal nicht viel. Aber gerade das soll ja Glück ausmachen. Wenig zu besitzen, weil schlichtweg der Platz fehlt, bewusster zu leben und mit dem Nötigsten klar zu kommen.
    Eigentlich ein schöner Gedanke, aber in der heutigen Gesellschaft auch mit jede Menge Mut verbunden, weil uns immer wieder suggeriert wird, dass nur großer Besitz zu Ansehen und damit Glück führt.
    Ich glaube, da muss jeder für sich entscheiden, welchen Weg er wählen möchte. Ich persönlich würde so ein kleines Häuschen durchaus testen. Vielleicht erst einmal im Urlaub, aber wenn es hält, was es verspricht, gerne auch für länger.

    Liebe Grüße
    Sjel

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    1. Ja im Urlaub würde ichs sofort testen :D Privat wärs wohl zu klein weil ich Familienplanung nicht ausschliesse und mit Kindern wirds dann doch etwas eng...

      Liebe Grüße,
      Karmi

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  2. So geht es mir schon bestimmt seit zwei Jahren :) Ich habe mich ja seit August arg verkleinert, nur noch ein einziges Zimmer. Und deswegen habe ich das ganze letzte Jahr entrümpelt und entsorgt. Viiiiel zu viel Zeug das man nicht braucht. Da ich momentan immer noch aus Kisten lebe, weil mein entgültiges Zimmer noch nicht frei ist, merke ich erst richtig, welche Sachen ich öfter benutze, welche ich vermisse, weil sie noch in einer Kiste sind, und welche eigentlich sinnlos sind. Ganz gute Erfahrung :)

    DVDs habe ich einige, aber die nutze ich auch ständig, da ich keinen Fernsehanschluß habe und doch ganz gerne Abends mal bei Film oder Serie abschalte.
    Auch Bücher lese ich gerne "rund", also immer wieder. Beim Lesen merke ich schon gleich ob ich das Buch nur einmal lese oder es noch mal zur Hand nehme, und dementsprechend verfahre ich dann, wenn ich fertig bin.

    Aber Deko und sowas habe ich abgeschafft. Nun sind in meinen Kisten hauptsächlich nur noch Dokumente, Sommerkleidung, Bücher für die ich hier im Übergangszimmer keinen Platz habe und meine Küchensachen wie Geschirr und so (ich habe hier auch keine Küche). Wenn die Kisten dann ausgepackt werden, gehe ich noch mal alles durch, ob ich es auch wirklich brauche oder es weg kann. Je weniger Raum ich zur Verfügung habe, desto weniger Gegenstände, und weniger Ballast. Ich mag das Gefühl :)

    Ein Freund von mir lebt meist in einem Camper, der hat ausgiebig aussortiert. Ihn nehme ich mir da immer als Vorbild, wenn ich mal wieder den Drang habe etwas zu kaufen.
    Ich lass mich aber auch nie von Werbung jeglicher Art verführen.
    Wenn man keine Familie hat, ist sowas natürlich einfacher, mit weniger Platz auszukommen. Ich plane in der Hinsicht garnix mehr, so kann ich weiter reduzieren.

    Bin mal gespannt auf wie wenig Zeug ich schlußendlich komme, und ob ich es schaffe nicht wieder "zuzunehmen", wenn ich meine Wohnung/mein Zimmer habe :)

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  3. Genau das ist es - was Du im letzten oder im letzten Satz aufgezählt hast - nichts anderes kann glücklicher machen!
    Liebe Grüße,
    Beltane

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  4. das ist ein Seh interresanter beitrag...
    du hast recht damit das die Menschen hier wo wir es können so viel ansammeln was man garnicht braucht...
    Ich selber bin immer beeindruckt von den Armisch, die schaffen es elektronik aus ihren leben raus zuhalten meist gibt es bei denen nur ein telefon in der ganzen statd oder dorf...
    Ich denke oft das ich zu viel beitze und habe mir deswegen vor einigen Jahren angewöhnt mein Zimmer einmal im Jahr auszumissten udn bin völlig überrascht jedes jahr wie viel weg kommt, kaput ist oder einfach nie gebraucht wird...
    Nach dem Sotieren geht es mir meistens besser und ich fühle mich wieder wohler...

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  5. Vielen Dank für diesen motivierenden Beitrag! So wahr.... Ich sortiere auch ständig aus, dieses Jahr soll es besonders viel werden - ist auch mein Vorhaben für 2014. Wir haben z. B. auf der Arbeit eine Art Tauschbörse eingerichtet (für alles!), sonst kommt Ebay, Tauschticket, die Bücherei oder auch Foodsharing zum Einsatz. Es ist allein schon befreiend, keine neuen Zeitschriften mehr zu kaufen, sondern die vorhandenen auch wirklich erstmal zu lesen (also auch Schrot und Korn etc.)

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  6. Es ist ein befreiendes Gefühl, mit dem Ausmisten zugleich Ballast abzuwerfen. Da bin ich dabei. Ständig. Liebe Grüsse!

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